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Die Affen von Gibraltar

  

 

 

 

 

 

 

 

 


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20.07.2018, 12:14

Noch 150 Meilen bis Alicante

Die nächste Etappe geht von Estebona über Fuendirola und Punta del Mona nach Almerimar. Gut 120 Meilen. Und mit jeder Meile wird es irgendwie wärmer. Simone hat schon Recht, wenn sie schreibt wir sind im Warmen angekommen. Manchmal gefühlt schon zu warm. Aber wir wollten ja hier her.

Die Häfen hier sind schon was Besonderes. Alle irgendwie anders. Mal mitten in der Stadt, mal mitten in der Pampa. Einkaufen wird in manchen Häfen zur Tortur. Die Crew schleppt Essen und Trinken herbei mit großen Taschen und Rucksäcken. Nur selten ist der Supermarkt gerade mal um die Ecke.

Aber immerhin bekommen wir immer einen Liegeplatz. Haben wir uns doch angewöhnt, vorher zu reservieren. Und anders als in Italien, klappt das bei den Spaniern hier auch. Nur muss ich manchmal darüber nachdenken, ob die uns richtig verstanden. In Marina del Mona zum Beispiel war der Hafen so eng, dass ich mit den 14 Metern der BEFANA schon gutes Augenmaß brauche, um in den Liegeplatz zu kommen. Vorne und hinten beim Drehen auf engem Raum gerade mal geschätzt ein Meter Platz. Also drehe ich nicht auf engem Raum sondern bugsiere die BEFANA gleich rückwärts da rein. Bugstrahlerbatterie warnt vor Entladung und dann geht auch schon nix mehr. Zu viel gebugstrahlt heute. Morgen ist die Batterie wieder voll. Aber da brauch ich es nicht mehr wirklich.

Wie ist das mit dem Wind hier? Die letzten drei Tage war es so: Wir fahren unter Maschine aus dem Hafen, etwa 2 bis 3 Meilen vor der Küste setzt dann Wind ein. Wahrer Wind 12 Knoten, scheinbarer Wind , je nach dem zwischen 10 und 16 Knoten. Würde ja zum Segeln reichen. Ich schau mir das ein Weilchen an. Wind ist stabil. Also in den Wind und Großsegel gesetzt. Dauert ungefähr 2 Minuten. Abfallen auf den alten Kurs. Vorsegel dazu. Volles Tuch dauert ungefähr 20 Sekunden. Und dann?

Flapp-flapp… Wind weg. Keine 4 Knoten mehr. Fahrt über Grund: unter 2 Knoten. Und der Wind kommt den ganzen langen Tag nicht zurück. Immer zwischen 4 und 6 Knoten wahrer Wind. Was soll man denn damit anfangen. Die See ist Spiegelglatt und kein Lüftchen weht mehr. 6 Stunden mit Jöns getuckert.

Kein Lüftchen mehr?
Doch! Kurz vor der Marina, wir sind dabei die Fender und die Leinen vorzubereiten, bläst der Wind mit 14 Knoten ins Hafenbecken. Genau das ist es, was ich an der Segelei so liebe. Wind wenn man ihn braucht, nicht vorhanden. Und wenn man ihn nicht gebrauchen kann, isser da.

Gestern haben wir mal 2-3 MOB Manöver gefahren. Dabei ist uns ein Block m Mast ausgerissen. Die Brocken davon hab ich heute gefunden. Nix tragisches, aber immer wieder was zu besorgen und einzubauen. So geht das.

Heute sind wir in Almerimar angekommen. Ein sehr aufgeräumter Hafen mit großräumigen Anlegerboxen. Easy einzuparken. Abends gehen wir essen und finden eine Tapas Bar mit einem coolen Typen als Bedienung. Der gibt uns ne Tageskarte worauf steht, dass ein Menü mit Vorspeise, Hauptgang, 1 Getränk (Bier oder Wein) und einen Kaffee zum Schluss 10 Euro kostet. Können wir erst nicht glauben. Ist aber so. Und die Qualität der Speisen war auch in Ordnung. Mit anderen Getränken zusammen und Kuchen und Schnappes für jeden bezahlen wir am Ende gerade mal 70 Euro für 5 Personen.

Heute geht’s weiter Richtung Murcia. Mal sehen wo uns der nicht vorhandene Wind hinträgt. Buchteln ist angesagt.

Gestern krieg ich ne Mail von meinem Freund Micha. Der ist mit seinem Schiff in Griechenland. Die Wohnung daheim ist ihm vor 4 Wochen bei einem Gewitter abgesoffen. Jetzt müssen die beiden ihren Törn abbrechen und nach Hause zum Aufräumen. So ein Sch… na da wünsch ich den beiden alles Gute und viel Erfolg beim Aufräumen zu Hause. Hoffentlich ist der Schaden nicht zu groß.

Redakteur

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16.07.2018, 20:04

Wir sind im Mittelmeeer

Vilamoura haben wir am Freitag wieder verlassen. Der Hafen war nicht schlecht. Schöne Sanitäranlagen, netter Hafenmeister und gut geschützt hinter einem riesigen Wellenbrecher. Dort war so ne Art Jahrmarkt und meine Crew hat sich das dann abends mal angeschaut. Kamen alle spät zurück, nicht jedoch so spät wie die letzte Crew. Die haben es schon bisschen übertrieben. Aber gut. Junge Leute. Lass sie doch.

Samstag müssen wir früh los. Matthias muss seinen Bus kriegen. Der geht um halb sechs abends ab Gibraltar. Aber das schaffen wir locker denke ich. Strom hab ich berechnet, Windvorschau und so weiter. Müsste locker passen.
Um 09.00 Uhr legen wir ab. Underway to Gibraltar.

Am Anfang schiebt uns Jöns durch die Flaute. Wir müssen noch ein Fischzuchtgebiet umrunden. Dann setzt die Strömung ein und auch der Wind. Delphinshows begleiten uns und wir haben richtig Spaß. Der afrikanische Kontinent ist hier zum Greifen nahe. Keine 15 Seemeilen und wir sehen die hohen, schroffen Berge von Marokko. Ab um die Ecke in die riesige Bucht von Gibraltar. Da liegen sie wieder… die Großen Pötte liegen hier vor Anker. Mindestens 25 – 30 Stück. Und an fast jedem ein kleineres Tankschiff festgemacht.

Die Dicken werden hier von den kleinen betankt. Interessante Sache. Das Schweröl kostet hier in Gibraltar fast nix und das nutzen die Reeder wohl aus.
Matthias kriegt seinen Bus und wir gehen anschließend essen. Morgen Endspiel Kroatien gegen Frankreich. Ich würde es den Kroaten schon gönnen, dass sie das Ding zu sich holen. Aber es geht wohl anders aus. Schade.

Heute am Montag können wir erst gegen 12 Uhr unsere Wäsche aus der Wäscherein holen. Also fahren wir mit dem Taxi Bus mal zu den Affen von Gibraltar. Berberäffchen und Makaken leben dort auf dem Felsen schon seit 1706 erzählt uns der Fahrer. Die Engländer haben sie aus Afrika mitgebracht und dort ausgesetzt. Heute leben dort etwa 200 Stück in 5 Gruppen. Die Legende sagt: Wenn die Affen aus Gibraltar verschwinden, verlieren die Engländer das Territorium. Die Affen sind frech. Klauen den Touris Handys, Geldbeutel und Kameras, um sie dann den Felsen runter zu werfen. Ich hab aufgepasst wie ein Luchs, dass die nicht an meine Sachen kommen.

Heute Montag sind wir endlich im Mittelmeer angekommen. Wir liegen in Estepona an der Südküste Spaniens. Mit 20 Knoten Rückenwind sind wir mit 6 Knoten von Gib hier runter gerauscht. Super Segeltag und alle sind glücklich. Jetzt gibt´s erst mal was zu essen. Crew wohl auf, Schiff wohl auf… Besser geht´s nicht.



11.07.2018, 17:01

Süd Portugal

Diesmal hat alles geklappt. Ryanair ist pünktlich in Lissabon gelandet. Der Flug war okay und meine Sitznachbarn auch. Ich also am Freitagmorgen um 9 Uhr schon auf der BEFANA. Schönes Gefühl wieder zu Hause zu sein. Jetzt war erst mal großes Putzen angesagt. Die Jungs des letzten Törns haben zwar schon mal vorgeputzt, aber der Capitano hat dann doch andere Vorstellungen. Und so packe ich die Bettwäsche und die Handtücher der letzten Crew, meine Klamotten und meine Handtücher und ziehe erst mal zum Hafenmeister. Mit 2 großen Ikea-Taschen. Auf dem Weg dorthin komme ich an einer Motoryacht vorbei, bei der Qualm aus dem Maschinenraum kommt. 2 Bootsnachbarn stehen dabei und beraten, was zu tun ist. Der Eigner- nicht da. Ich frage, ob sie Hilfe brauchen. Nein. Also ich weiter zum Hafenmeister. Ich schau nochmal zurück und der Qualm wird mehr. Einige Passanten aus der Marina stehen auch schon auf der Pier und beobachten das Spektakel. Wir rufen dann doch mal das Personal des Hafens. Die schauen kurz, schnappen sich Feuerlöscher aus dem Büro und sitzen eine Minute später im Hafenboot. An dem Havarist angekommen, kurze Inspektion, anscheinend nix zu machen. Sie schleppen den brennenden Plastikeimer gegenüber zur Betonpier, da kann er wenigstens keinen größeren Schaden mehr anrichten. Die Feuerwehr wird alarmiert.

Gott sei Dank ist der Kahn von unserem Steg weg. So ne Kettenreaktion gab´s vor ein paar Jahren schon mal in Macinaggio auf Korsika. Da sind wegen einem Boot 13 andere mit in Flammen aufgegangen. Das brauch ich jetzt nicht wirklich. Ich bin froh als die Feuerwehr eintrifft und sich der Sache annimmt. 4 Fahrzeuge, Einsatzleitung, Küstenwache, Polizei und Hydrografisches Amt. Alle vor Ort. Mindestens 50 Personen.

Okay. Ich geh Klamotten waschen. 3 Maschinen, 3 x trocknen. Kostet in Lissabon 15 Euro. Alles wieder frisch. Ich bin gegen 16 Uhr wieder aufem Boot. Die Motoryacht ist mittlerweile gelöscht und eine Öl Sperre herumgelegt. Alles super.

Boot geschrubbt, Bäder geputzt, Küche gereinigt und aufgeräumt – meine neue Crew kann kommen. Samstag gegen 17 Uhr läuft Norbert ein, Anna und Basti wollten eigentlich auch da sein und schon mal einkaufen. Aber sie kommen erst gegen 21 Uhr. Na ja. Is ja auch egal. Heute eingekauft, können wir Sonntag schon los. Auch gut.

Sonntag der erste Schlag Richtung Gibraltar, Wir kommen bis Sesimbra. Komischer Haffen, schlechte Sanitäranlagen. Einigermaßen guter Wind und wir können fasst von Hafen bis zu Hafen segeln. Schade nur, dass Matthias nicht so seefest ist. Das wird auch die nächsten beiden Tage nicht wirklich besser.

Montag kommen wir bis Sines. Eigentlich gibt es laut Handbuch hier wenig Liegeplätze. Deshalb haben wir reserviert. Wir kommen abends an und stellen fest, da könnten mindestens noch 26 Yachten Platz finden. Der Hafen ist fast leer. Nicht zu verstehen, denn hier stimmt die Infrastruktur und das Personal ist sehr hilfsbereit und freundlich. Heute fast nur Motor, kein Wind, keine Welle und viele Delphine wieder mal.

Dienstag dann ein langer Tag. 61 Seemeilen liegen vor uns. Wir wollen in die Bucht von Sagres. Die Crew muss heute mal von Hand navigieren und macht das ausgesprochen gut. Die Unterschiede zum GPS sind gering. Trotz schwieriger Sichtverhältnisse zum Land und unruhigem Boot wegen Dünung. Na die haben ja aufgepasst im Unterricht. Basti entpuppt sich als guter Navigator.

Unterwegs habe ich Zeit. Ich backe ein Brot aus ner Backmischung und bin begeistert wie das in dem Gasherd klappt. Morgen gibt´s frisches Landbrot aus good old Germany. Da freut sich die Crew und der Skipper. Aber auch Norbert kocht super. Hat zwar andere Methoden als ich, aber gut. Jeder wie er´s gelernt hat. Übrigens klappt die gemischte Crew ganz hervorragend. Mal sehen, wie wir den 10. Tag überstehen.

Zum Abendessen hab ich dann auch schon mal was vorbereitet. Und so können wir nach den 61 Meilen, als wir gegen 20 Uhr in der Bucht ankommen auch schon direkt essen. Übrigens sehr schöne Bucht mit Sandstrand und dahinter hoher Küste. Man liegt wie in Abrahams Schoß.

Sonst auf der BEFANA alles im Lot. Außer dass die Sika Flex Fuge am Spülbecken wohl nicht gehalten hat. Ich hab Wasser in der Schublade. Das muss ich unbedingt machen. Sonst gibt das Holz bald den Geist auf.

Heute geht´s nach Vilamoura. Wir sind seit gestern Abend an der portugiesischen Südküste. Heute ist Kurs Ost angesagt. Wir kommen Gibraltar näher. Gut so.

Redakteur

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02.07.2018, 11:03

Lissabon

Jaja… mit der Etappe bis „kurz vor Lissabon“ war es dann auch nix. Wir hatten am Donnerstagabend schon 67 Meilen auf der Logge. Und das nach fasst 10 Stunden Motorfahrt, weil eben wieder mal kein Wind war. Den Jungs war schon wieder langweilig. Aber wir hatte unterwegs auch ganz gute Gespräche. Zeit war ja da.

Drei, vier große Delfine haben uns dann noch etwas Spaß bereitet. Sind ne viertel Stunde neben dem Boot her geschwommen und haben immer mal wieder, um Luft zu holen, ihre grauen Rücken aus dem blauen Atlantik gehoben. Trotz Ihrer Größe von fast 3 Metern Länge und ihres Gewichtes, sind das sehr grazile Tiere. Die Bewegungen im Wasser sehen leicht aus. Die kurzen Auf- und Abschläge mit der Schwanzflosse beschleunigen die Tiere ungemein und ohne scheinbaren Kraftaufwand auf mindestens 20 Knoten. Sie ziehen Kreise ums Boot, tauchen unter dem Rumpf durch und kommen von hinten irgendwann wieder an, um sich die Menschen da oben an Bord anzusehen.

So hat es jedenfalls immer den Anschein, wenn sie sich während des Schwimmens zur Seite drehen und mit Ihren Augen das Vorschiff begutachten, wo 4 Männer mit Handys bewaffnet auf den richtigen Moment warten, ein Foto zu schießen… Ich glaube die sehen uns ganz genau.
Eine kurze Kommunikation zwischen den Delfinen- und schon sind sie gleichzeitig alle wieder verschwunden. Ich liebe das.

Also wir kurz vor 20 Uhr in der Ansteuerung des Flusses Tajo, der hier Lissabon quasi trennt. In der Hoffnung gleich am Anfang auf der Backbordseite der Einfahrt den ersten Hafen zu bekommen. Die Cascais Marina. Ich hab vorher schon mal versucht anzurufen. Wenn die aber abnehmen und man meldet sich auf Englisch, legen die meisten wortlos und sofort wieder auf. Auch ne Art. Oder Unart?

Am Funk sprechen sie ja schließlich auch Englisch. Na gut. Ich funke den Hafen etwa auf gleicher Höhe an, frage nach einem Liegeplatz für eine Nacht und bekomme nach Rückfrage zur Antwort. Nix frei für meine Größe. Die spinnen ja. Laut Hafenhandbuch gibt es dort etwa 650 Liegeplätze plus 40 astliegeplätze. Geschätzt sind aber nur etwa 200 Masten drin. Ich verkneife mir eine weitere Nachfrage, denn ich will ja den Feierabend des Herrn nicht stören.

Wir entscheiden uns nach Lissabon rein zu fahren. Mit 6,5 Knoten Fahrt durchs Wasser (was unsere Logge anzeigt) schieben wir uns mühsam den Tajo hinauf. Strömung des Flusses um die 4 Knoten, dann wir fahren in Wirklichkeit über Grund (zeigt unser GPS an) 2,6 Knoten. Also kann dauern bis wir ankommen.

Jetzt muss man dazu sagen, dass Lissabon und südlich davon die Algave das Segelmekka der Portugiesen ist. Dennoch hat alleine Lissabon wohl 14 Yachthäfen mit einer Liegeplatzkapazität von etwa 6500 Yachten plus ca. 1380 Gastliegeplätze.

Was uns allerdings die letzten Tage auf dem Atlantik aufgefallen ist… es ist nix los. Keiner da. Nur hin und wieder eine Yacht, die nach Norden oder nach Süden zieht. Langfahrer und Fahrtensegler, keine Urlauber. Charterboote gibt es hier unten wenige bis gar keine.

Wer also liegt auf den Gastliegeplätzen?

Gegen 23.00 Uhr haben wir es geschafft. Wir liegen in der Doca de Alcantara. Ein Hafen mit dem Charme einer Industrieruine. Hinter einem großen Containerterminal, direkt in Sichtweite zur Stahlkonstruktion der Brücke des 05. April, (sieht aus wie die Golden Gate in San Francisco) Die Autos die hier 6spurig Tag und Nacht darüber fahren, hinterlassen einen ununterbrochenen Geräuschpegel. Aber man gewöhnt sich ja an alles. Auch an das Donnern der verladenen Container und den Fluglärm und dass Bum Bum Bum der Clubs um den Hafen. Übrigens am Wochenende bis morgens um sieben.

Wir also erst mal da rein. Liegeplatz wohl von einem Dauerlieger gefunden, weil die Leinen schon auf dem Steg lagen, sodass der nur reinfahren muss und festmachen. Ist aber keiner da. Und kommt wahrscheinlich auch in der Nacht nicht zurück. Wir bleiben erst mal da. Strom angeschlossen, Bierchen aufgemacht. Morgen früh geht´s zum Hafenmeister.

Gregor ist zum Anmelden und Verhandeln des Liegeplatzes für eine Woche losgeschickt. Bootspapiere und Persos der Crew dabei. Ich frag da mal freundlich und bekomme zur Antwort: Eigentlich ist in ganz Lissabon kein Liegeplatz mehr für Durchreisende frei. Hähh? Nach Bitten und Betteln können wir jetzt dann doch erst mal bis Samstag hier bleiben. Der Eigner des Platzes kommt wohl zurück, also verlegen wir die BEFANA auf Raten des Hafenmeisters um einen Platz nach links. Direkt neben die Küstenwache. Auch gut. Die werden uns wenigstes die Fender nicht klauen.

Am Freitag dann erst mal Putztag für die Jungs. Wasser anschließen und Boot schrubben. Haben sie auch super gemacht. Wird wohl bei dem ganzen Industriestaub um uns herum nicht sehr nachhaltig sein.
Wir werden sehen, wenn ich am Freitag wieder hier aufschlage.

Abends gehen wir lecker Essen. Tomahawk Steaks vom feinsten. Echt super zubereitet und immer ein Steak für zwei Personen. Ich bin begeistert.
Morgen früh um 6 klingelt der Wecker. Eigentlich hab ich einerseits keinen Bock auf die nervige Fliegerei, andererseits bin ich auch gerne mal zu Hause bei meiner Süßen. Und in Iwwero… Freitag geht´s wieder hin. Wieder fliegen, wieder Flughäfen… brrr.

Redakteur

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27.06.2018, 20:49

Nazaré und die höchste Welle der Welt

Regattasegler an Bord… Nein. Besser gesagt 2 Diplom-Ingenieure, nämlich Aaron und Gregor, den Rechner Fabian und Nico der Feinwerkmechaniker, der sich auch in allen mechanischen Teilen auskennt. Wer sagt denn da, dass das eine schlechte Mischung zum Segeln ist?

Der Reihe nach: Dienstag legen wir um 10.00 Uhr in Muros ab. Die Jungs wären wohl alleine wegen den Festlichkeiten hier gerne noch geblieben. Aber wir müssen ja am Freitag in Lissabon sein. Hab ich ja schon gesagt.

Also um 10 ab Muros Richtung Figuera la Foz. Das ist der nächste Hafen und auch der einzige, den wir anlaufen können. Etwas über 60 Seemeilen. Windvorhersage für den Dienstag. Erst 4-6 Knoten, später „auffrischend“ (ich muss gerade lachen) auf 7 – 10 Knoten. Windrichtung Nord bis Nordwest. Wir fahren nach Süden. Okay.

Erst motoren wir ein Stück, weil wirklich nix bläst. Dann gegen 13.00 Uhr kommt die versprochene Brise. Wir setzen Groß und Vorsegel und schleichen uns mit 4 – 5 Knoten durch den Atlantik. Keine Welle, die uns ausbremst.

Die Landschaft zieht in Form eines ca. 100 km langen Sandstrandes an uns vorbei. Nix los da draußen. Heißt? Richtig! Den Jungs ist kacklangweilig. Ich kann das sehen. Mittags essen wir ein paar Spaghetti, die Aaron lecker zubereitet hat und nach dem Geschirr wegräumen kommt wieder diese Lageweile auf.

Wie gesagt. Wir haben etwa 10-12 Knoten wahren wind von achtern – macht einen scheinbaren Wind von ca. 6-8 Knoten. Wer sich auskennt – mit dem scheinbaren Wind wird gesegelt.

Ich als gemütlicher Fahrtensegler bin mit den erreichten 4,6 Knoten Fahrt im Schiff durchaus zufrieden. Die Strömung setzt noch einen Knoten drauf. Also kommen wir doch gut voran, denk ich. Nicht so meine Jungs..

Die Blicke der beiden Ingenieure schweifen durch das Vorsegel und das Großsegel, auf sämtliche Leinen und alles was sich sonst noch auf der BEFANA bewegen lässt. Und ich ahne schon was kommt.
Aaron fragt, ob man nicht was optimieren könnte an den Segeln. Und Gregor nimmt den Bootshaken und hält damit das Vorsegel etwas nach außenbords.

Jetzt sind sie alle 4 angeheizt. Es wird kurz diskutiert, was man verbessern könnte und schon geht der Stress los.

Kann man nicht… und was wäre wenn… wieso geht das so und nicht anders… Ich werde gelöchert und muss schließlich nachgeben…
Ich kriege auch versprochen, dass die Jungs alles wieder so zurückbauen, wie es war. Heißt im Klartext. Die 4 bauen innerhalb einer halben Stunde das ganze Schiff um.

Das Großsegel wird gefiert, bis an die Salinge, das Vorsegel mit dem Spinnaker Baum ausgebaumt und an sämtlichen Leinen gezogen und gefiert…

Hast Du nicht ein Buch über Segeltrimm? Hab ich. Zack, war es oben im Cockpit. Jeder nen kurzen Blick rein und schon geht die Befana auf üb er 6 Knoten Fahrt. Mit scheinbarem Wind von 7. Ich glaub ´s net. Aber die haben keine Ahnung vom Segeln und kitzeln den letzten 10tel Knoten Fahrt raus.
Na ja. Ich hab dann letztendlich wieder meine Ruhe. Die Jungs sind beschäftigt und glücklich, dass sie was zu tun hatten.

Gegen 21 Uhr laufen wir in Figuera la Foz ein. Ich Funke. Keine Antwort. Ich rufe an. Keiner geht ran. Na gut. Irgendwie werden wir schon nen Liegeplatz finden. Und wir finden einen. Aber kein Hafenmeister mehr da. Das Tor vom Steg in die Freiheit zu. Von innen und von außen. Das Restaurant zum Greifen nah. Keine 20 Meter. Aber wir kommen nicht raus. Am Steg in der Nachbarschaft hab ich ne deutsche Yacht gesehen. Gregor muss hin und fragen. Prompt sagt der nette Eigner, wir können seinen Chip haben, er legt sowieso morgen früh ab. Genialo. Also raus aus der Marina, rein in das Restaurant.

Die Empfehlung des Hauses: Kalbs-Kotelett vom Grill. Riesen Dinger. Mindestens 800 Gramm pro Stück. Mit Reis, Gemüse, Pommes bis der Arzt kommt und das für 15 Euro. Pappsatt gehen wir um 23 Uhr nach Hause.
Müssen Mittwochmorgen früh weg.

Um 15.00 Uhr Ortszeit ist Fußball. Das wollen wir sehen und wir haben 35 Meilen vor uns. Um 08.00 Uhr legen wir ab, nachdem ich versucht habe nochmal den Hafenmeister zu erreichen. Fehlanzeige. Also liegen wir ne Nacht umsonst. Haben einen geschenkten Chip und Strom für lau. Ich sach nix mehr.

Heute ging es nach Nazaré. Wer das nicht kennt soll mal Google fragen. Diort gibt es im Idealfall die höchsten Surfwellen der Welt. Bis zu 30 Meter wurden hier schon gemessen. Das liegt daran, dass der Meeresboden dort eine sehr lange und tiefe Schlucht bildet, wo die Wassertiefen von 4000 Meter auf nahezu 10 Meter rapide ansteigen. Die Welle hat keinen Platz mehr und baut sich riesenhoch auf. Sensationelles Schauspiel. Hier wurden Weltrekorde gebrochen. Nazaré läuft gerade Hawaii den Rang ab. Ehrlich.

Also wir waren pünktlich hier. Haben den Strandabschnitt der Riesenwellen gesehen, haben ne Kneipe gefunden mit Fernsehgerät und Fußball. Und wissen jetzt auch, dass Südkorea nicht nur gute Handys baut, sondern auch gut Fußball spielen kann. Herzlichen Glückwunsch. Mehr oder weniger verdient gewonnen.

Und morgen geht es auf die vorletzte Etappe kurz vor Lissabon.

Windvorhersage: 7-10 Knoten aus nördlichen Richtungen
Uups… da weiß ich ja schon was mir blüht morgen.
Viel Spaß Männer und macht mir nix kaputt.


26.06.2018, 11:06

Wir sind in Porto angekommen

Wir legen um 13 Uhr in Muros ab. Strahlend blauer Himmel, 28 Grad. Die Jungs und der Skipper sind gut drauf. Heute ist wenig Wind angesagt, aber wir müssen ja am Freitag in Lissabon sein. Die nächste Crew will ja auch pünktlich auf die BEFANA. Bleibt also nix anderes übrig, als mit Jöns, unserem Volvo, 10 Stunden über den Atlantik zu tuckern.

Wir kommen so gegen 14.30 Uhr etwa 5- 6 Meilen vor die Küste und der Himmel zieht sich zu… Dann sehen wir etwa 2 Meilen vor uns eine Nebelwand. Ich kenn das schon von der Ostsee und aus Kroatien. Aber das hier sprengt alle meine Vorstellungen. In die Wand rein. Null Sicht. Keine 100 Meter. Ich schalte das Radar ein. Wind ist jetzt komplett runter auf unter 2 Knoten.

Innerhalb von ner halben Stunde sind alle warm angezogen. Gefühlte 12 Grad hier draußen. Ich hasse es… Portugiesischer Sommer, dass ich nicht lache.
Was mach ich hier eigentlich?

Ich sehe einen dicken Pott auf dem Radar, versuche herauszufinden wie der heißt. Geht eigentlich mit Marinetraffic ganz gut. Ich kann ihn finden. Ein Amerikanischer Containerfrachter. Aber er hört meinen Funkspruch nicht. Ich wollte eben nur sicher gehen, ob er mich auf dem Radar sieht. Weil der Kurs von ihm schon ziemlich dicht an unserem vorbei geht. Ich kann das mit der Zielverfolgung des Radars ganz genau sehen. Er hat ziemlich genau 360 Grad Kurs und fährt etwa 20 Knoten schnell. Das bedeutet, die 6 Meilen, die er jetzt gerade mal Abstand hat, schrumpfen in ein paar Minuten ganz schön zusammen. Seine Geschwindigkeit und unsere 6 Knoten macht auf Gegenkurs genau 13 Minuten bis zum „Treffen“. Bei einem Abstand von etwa 1 Meile können wir sein Nebelhorn hören. Seine Position allerdings hätte ich ohne Radar anders eingeschätzt. Der Horror… Als das Ungetüm uns passiert hat, also achterlicher als querab ist, wird das Horn sogar noch deutlich lauter. Das ist mir physikalisch ein Rätsel. Egal. Er ist weg und jetzt sind nur noch die chaotischen Fischer da. Die Kerle fahren wieder mal wilde Manöver, unvorhersehbar und es scheint, als machen sie sich einen Spaß daraus auf uns zu zu halten. Wir ändern mehrmals unseren Kurs.

Gegen 0.00 Uhr ist es dann stockdunkel. Nix mehr zu sehen, außer auf dem Radar. Wir müssen höllisch aufpassen, dass wir nicht eins von den tausenden Fischernetzen überfahren, die hier überall lauern. Im Reeds Almanac sowie auf Skipperguide wird schon mal vor den portugiesischen Netzen gewarnt. Dass es aber in Wirklichkeit so viele sind, hätte ich mir im Traum nicht gedacht.
Die Jungs sind mit Rettungsweste und angeleint abwechselnd auf dem Vorschiff und leuchten unseren Weg mit Lampen aus, um Ausschau nach den Netzbojen zu halten. Aber man sieht eben nach ner Weile auch nix mehr, oder besser gesagt, man kann nichts mehr fokussieren, wenn man länger in die Nacht starrt. Ich kann das verstehen. Außerdem sind die Jungs und auch ich schon recht müde.

Mir fallen immer mal wieder kurz die Augen zu. Mein Bett wäre jetzt ein Traum. Aber ich muss durchhalten. Sekundenschlaf auf dem Schiff ist nicht so schlimm, weil alles doch recht langsam geht und der Autopilot die BEFANA sicher steuert.

Dennoch muss ich jetzt daran denken, was passiert wenn man so einen Sekundenschlaf im Auto bekommt. Da kommen schnell mal hundert Meter Strecke zusammen, die man blind zurück legt.

Ich hoffe, dass der Nebel sich irgendwann verzieht, tut er aber nicht. Er bleibt die ganze Nacht bis morgens gegen 4. Dann lichtet sich alles etwas.

Im Skipperguide steht, dass die Hafeneinfahrt von Porto, hier die Marina Douro, bei Westwinddrift gesperrt wird, weil vor der Flussmündung eine riesen Welle steht. Und vor den Strömungen wird auch gewarnt.

Um 05.00 Uhr nehme ich etwas Fahrt aus der BEFANA, dass wir wenigstens bei Dämmerung in den Fluss einlaufen. Ich kann trotz Windstille (1,2 Knoten) und trotz absolut ruhiger See erkennen, wie sich die Dünung vor der Einfahrt aufbaut. Hier würde ich bei „Wetter“ nicht reinfahren wollen.

Wir passieren das rote Backbord-Hafenlicht und können das steuerbordseitige grüne auch schon sehen. Außerdem gib t es ein Richtfeuer mit Ober- und Unterfeuer. Ich steuere die BEFANA in die Richtfeuerlinie und mache den Autopilot wieder an. Der steuert normalerweise zuverlässig einen geraden Kurs. Nicht so im Douro River. Die Nase der BEFANA geht im Winkel von 5 Grad nach rechts und links. Ich muss mehrfach nachsteuern. Um 06 Uhr liegen wir fest im Hafen. Bin froh dass der Tag und vor allem die Nacht ein Ende hat.




24.06.2018, 11:35

Wind und Welle

Am Donnerstag sind wir gegen 11 Uhr los. Richtung Westen und dann nach Süd. Der Wind nimmt übern Tagesverlauf zu. Bis 35 Knoten und fiese Welle, 3-4 Metern von hinten. Wir reiten mit bis zu 8 Knoten Geschwindigkeit über die Wellen. Alle sind ganz gut drauf. Keinem wird richtig schlecht. Das ist gut so. Harte Jungs. Abends gegen 19.00 Uhr sind wir in Muxia. Kleiner Hafen. Es liegen nur 12 Schiffe drin. Der Hafenmeister nimmt die Leinen an weil wir beim Anlegen noch über 20 Knoten Wind haben. Aber die BEFANA lässt sich super manövrieren. Wir liegen wie in Abrahams Schoß.

Freitag geht´s auf nach Muros. Etwas über 35 Meilen liegen vor uns. Der Wind hat etwas nachgelassen und gegen 113 Uhr ist auch die Welle weg. Super Segeltag Von Hafen zu Hafen… Wir kommen spät an. Es ist so gegen 18.30 Uhr Wir gehen zum Essen und schauen uns noch Fußball an. Gegen 22.30 Uhr mach ich mich auf den Heimweg und die Jungs wollen sich noch etwas im Ort umsehen. Umsehen?
Sie finden eine Fiesta im Ort, bei der es wohl richtig abgeht. Die Videos hab ich gesehen. Das letzte Bild kam wohl so gegen 04.00 Uhr in die WhatsApp Gruppe. Na das gibt dann wohl einen Hafentag. Und richtig… der letzte wird gegen 13 Uhr wach. Aber die Bilder und Videos waren schon „interessant“. Wenn ich 15 Jahre jünger wäre, hätte ich mich sicher angeschlossen.

Der Hafentag hat aber auch was. Wir reservieren uns nen Tisch für abends direkt vorm Fernsehgerät und so können wir ungestört WM beim Essen gucken. Hat was. Heute geht´s dann nicht mehr auf die Fiesta… Die Jungs müssen fit sein. Nachtfahrt steht an.


20.06.2018, 14:06

Wieder auf der BEFANA

So. Ich bin wieder in La Coruna. Befana geht es gut. Es wackelt aber ordentlich hier am Steg. Offen zu der Hafeneinfahrt der großen und so hüpft unsere Hexe ½ Meter rauf und runter, wenn draußen einer vorbei fährt. Können sich die Jungs schon mal dran gewöhnen…

Gestern der Flug war wieder ne Katastrophe. Der erste Flieger ne Stunde Verspätung – und der zweite dann logischerweise weg. Der war pünktlich. Ärger macht sich breit. Und am Serviceschalter von Iberia 40 Leute, die sich erkundigen wollen. Personal: 2 Personen, wovon einer nur zuhört.

Gregor versucht die Hotline zu erreichen. Niggese passiert. Schließlich bekommen wir von einem freundlichen Herrn der Fluggesellschaft dann doch kurzfristig noch 3 Tickets. Weiterflug um 19.30. Ankunft La Coruna: 21.00 Uhr.

Na, so war das nicht geplant. Fabian und Aaron warten sicher schon ungeduldig… Weit gefehlt. Die beiden waren am Strand, haben schon mal Bier gekauft und natürlich auch davon probiert. Und als wir ankommen, sitzen ssie aufem Nachbarboot und amüsieren sich mit 2 älteren Herren einer deutschen Yacht mit… Bierchen.

Der Abend war lang und es gab natürlich viel zu erzählen. Die Jungs sind alle gut drauf und der Törn verspricht gut zu werden. Spür ich.

Heute große Wäsche bei mir. Die Jungs gehen einkaufen und Pablo – mein spanischer Monteur war auch da. Klappt doch.

Befana hat wieder ein voll funktionsfähiges Ladegerät und ich hoffe, das funktioniert auch alles. Vereinbarter Preis ist gezahlt und morgen kann es los gehen. Soll ja ordentlich Wind geben. Bis 25 Knoten. Allerdings von achtern. Das scheint ja dann nicht so schlimm zu sein. Wir werden sehen.

Heut Abend geht´s erst mal lecker Meeresgetier essen. Und lecker Weinchen trinken. Bin gespannt.

Redakteur

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10.06.2018, 18:23

La Coruna - Iwwero

Es sieht tatsächlich so aus, als würde mein Blog auch hin und wieder gelesen werden. Jedenfalls kommen ab und zu Kommentare von Lesern rein. Na, da scheint ja die Schreiberei doch nicht ganz umsonst zu sein. Was ich allerdings bei meinem Provider vermisse – man kann keine Bilder in den Text des Blogs einfügen. Jedenfalls hab ich´s noch nicht hingekriegt. Wenn einer nen Tipp hat?...

Aus diesem Grund hab ich in der Rubrik „Reisen und Bilder“ (Button links am Rand) eine neue Galerie eingefügt. Die Reisen der Befana. Da sind jetzt schon mal 100 Bilder drin, vom Kauf in 2017 bis zur Überführung mit dem Zwischenziel La Coruna. Wen´s interessiert…

Außerdem wurde die Charter-Galerie endlich mal um die Reisen Malta, Kanaren und Karibik ergänzt. Da sind wirklich tolle pics dabei. Das macht Lust auf Meer. Und an dieser Stelle danke an Schorsch, Manfred, Jürgen, Ludwig und den Rest der Karibik-Truppe für die tollen Aufnahmen.

Aber zurück zur BEFANA-Reise.
Gestern Rückflug von La Coruna… Hoffentlich das vorerst letzte Abenteuer dieser Art. Es hat schon morgens angefangen…

Am Abend vorher, auf dem Weg in die Altstadt, sind wir am Taxistand vorbeigekommen, wo angeblich immer Taxen stehen. Man braucht nicht vorzubestellen sagt man uns, das klingt ja gut.

Ziel war aber ja in die Stadt, lecker Meeresfrüchte essen. Wir suchen eines der vielen Restaurants aus und ich hab bei dem Chef (spricht übrigens sehr gutes Deutsch) nachgefragt, ob er ne gemischte Vorspeise aus Meeresfrüchten für drei Personen machen kann. Macht er… Ich bestelle einen halben Liter Weißwein dazu und dann kommt´s… Als erstes bringt er ne Flasche. 0,75 sind ja schließlich nicht viel mehr als ein halber Liter.

Dann fängt er an aufzufahren, 1. Teller, 2. Teller, einer besser als der andere… ich bestelle inzwischen meinen Hauptgang, ein 250 gr dry aged Entre Cote… dann 3., 4., 5., 6., 7., Teller. Alles voll mit sehr leckeren Sachen. Das geht so weiter bis ca. zum 10. Teller, bis ich ihn einbremse und sage es reicht. Wir sind satt… und ob ich denn das Steak wieder abbestellen kann. Klar, meint er grinsend, hat er sich eh schon gedacht. Na dann is ja gut. Ich hätte nix mehr rein bekommen. Der Schnaps, ein spanischer Grappa, ging dann wohl noch auf´s Haus.

La quenta per favor… 210 Euro für 3 Personen. Na Sven hat ihn noch auf 190 runter gehandelt. Redet mit ihm, woher er so gut Deutsch kann. Da stellt sich heraus, dass er in Darmstadt studiert hat und 3 Jahre in der Göbelstraße gewohnt hat. Die Welt ist ein Dorf. Selten so lecker gegessen. Aber auch selten so gefoppt worden. In 10 Tagen geh ich mit meinen Jungs nochmal hin und dann reden wir vorher übern Preis. Der versteht mich nämlich ganz gut… Damstädter…

Ich also gestern Morgen, bissl knapp mit der Zeit, mit meinem Handgepäck zum Taxistand. Keiner da. Na toll. Ich warte 10 Minuten, 20 Minuten… endlich kommt da ein Taxi vorbei. Ich winke. Er winkt zurück. sehe im Augenwinkel , dass er einen Fahrgast drin.hat. Langsam werde ich panisch, weil meine Boardingzeit in ner Stunde ist. Und die Fahrt zum Flughafen dauert auch 20 Minuten. Aber er kommt zurück und ich bin noch pünktlich am Airport. Eingecheckt hatte ich schon online und die Bordkarte auf dem Handy.

Der Flughafen ist Gott sei Dank so klein, dass ich schnell durch die Sercurity bin. Alles geht gut. Umsteigen in Madrid. Nicht mehr so gut.
Flieger ist zwar pünktlich zum Boarding bereit, aber die Franzosen streiken wieder Mal. Die Fluglotsen lassen nur wenige Flugzeuge in den französischen Luftraum. Außerdem in Frankfurt Gewitter. Fazit: 1 Stunde Verspätung.

Sven und Simone fliegen über Lissabon. Die erwischt es schlimmer. Kommen gegen 23 Uhr erst nach Hause.

Ich bin wieder in Iwwero. Meine Süße hat mich vom Flughafen abgeholt und wir haben viel zu erzählen. Der Abend wird lang.

Diese Woche gibt´s auch hier viel zu tun. Vorbereitung für 2 oder 3 Crewtreffen, Segler-Info-Tag am Samstag von 17 bis 20 Uhr und natürlich das Highlight der Woche: Tag der offenen Höfe in Iwwero

Da wir da auch mitmachen, ist halt immer was zu tun. Wer übrigens am Sonntag Zeit hat… das lohnt sich. Ein Blick in die schönsten Höfe des Dorfes. Und da sind ein paar wirkliche Kracher dabei.
Bei uns gibt´s original Painkiller… das ist DER Cocktail aus der legendären Soggy Dollar Bar auf Jost van Dyke in der Karibik, Carib beer und immer was zu erzählen und zu erleben.

Na dann… man sieht sich. Entweder beim Seglertreffen am Samstag oder beim Tag der offenen Höfe.




Redakteur

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08.06.2018, 14:58

Der Fluch der Biskaya

Die Biskaya… schon schreckliche Geschichten darüber gelesen und gehört. Lastet da vielleicht ein uralter Fluch auf der Biskaya? Oder ist alles nur Seemannsgarn. Also Geschichten, die man als Seemann den Landratten erzählt, um sie damit zu beeindrucken.

Also ich hatte am Montag den ganzen Tag ein etwas mulmiges Gefühl im Bauch. Obwohl ich sonst nicht ängstlich bin und ja schließlich weiß, was ich tue.
Mit dem gewissen Respekt und der Umsicht eines erfahrenen Skippers.

Folgenden Plan hatte ich die ganze letzte Woche schon im Kopf. Immer wieder im Geiste hinterfragt, und immer wieder zu dem gleichen Schluss gekommen. Montag laufen wir kurz vor dem Abend HW aus.

Proviant wurde gekauft, Essen vorgekocht. Das Schiff nochmal inspiziert, vollgetankt. Um 20.30 Uhr Start. Vor uns liegen etwa 350 Seemeilen über den offenen Atlantik. Die Überquerung des Festlandschelfs (der Übergang von einer durchschnittlichen Wassertiefe von etwa 80 – 120 Meter relativ schnell auf 4000 Meter abfallend. Steile Schlucht: Sieht man sehr gut auf Google Earth).
Zur Information, wenn da Wellen vom Atlantik Richtung Festland laufen, können Brecher entstehen, die mehrere Mal höher sind, als die Welle im tiefen Wasser. Und sie brechen, d. h. sie überschlagen sich. Für jeden Surfer eine Freude, für den Segler Lebensgefahr. Na gut. Deshalb ja auch mein Respekt.

Aber das Wetter sah für die nächsten Tage ja gut aus. Welle zwischen 1,00 und 1.50 Meter, Wind raumschots bis halb mit Stärken zwischen 12 und 20 Knoten. Das wäre ja super, wenn das so stimmt.

Wir sind guter Dinge. Der Wachplan ist erstellt und der Notfallplan auch. Sven und Simone wissen also Bescheid. Wache in der Nacht: 20.00 Uhr bis 23.00 Uhr Sven, 23 – 02 ich, dann wieder 3 Stunden Sven und den Rest ich. Dazwischen sollte ein bisschen geschlafen werden. Die Zeiten hat Sven sich aussuchen dürfen, auch wenn er anfangs üb er die Hundewache von 02.00 bis 05.00 etwas gemeckert hat. Einer muss sie ja gehen.

Wetter passt also. Jimmy Cornell hat visuell auch zugestimmt – na dann los.
Und ich sag es Euch… Es ist tatsächlich ein Fluch. Aber der Reihe nach.

Von Brest aus abgelegt, fährt man erst mal ca. 4 -5 Stunden durch den betonnten „Kanal“ bis zur letzten Gefahrentonne, einer Westtonne. Die steuern wir an. Gegen 23 Uhr wird es dunkel. Wir haben schon lange die Positionslaternen an und beobachten das Treiben um uns herum. Schiffe kommen herein, andere fahren auch raus. Alle schön beleuchtet. Sven und ich sitzen im Cockpit und steuern abwechselnd die BEFANA.Es fängt auf einmal an zu schütten, wie aus Eimern. Mein Ölzeug ist nicht ganz dicht, wahrscheinlich vom Waschen die Imprägnierung raus. Ich friere etwas. Wir fahren mit Maschine und wollen zu der besagten West-Tonne. Mittlerweile ist es stockdunkel. Wir sehen auch die ganzen Fischer um uns herum. Die haben alle genügend Abstand und es kann nix passieren.
Plötzlich – wir sind beide ziemlich erschrocken.. ein riesen greller Scheinwerfer direkt auf uns gerichtet. Geschätzter Abstand ca. 600 – 700 Meter. Und kommt natürlich näher. Durch das Blenden des grellen Lichts können wir auch keine Positionslampen von dem mehr sehen. Der war da vorher definitiv nicht. Jetzt schaltet er seine Pos.-Lampen ein und grün über weiß. Der hat sie doch nicht alle. Ein Trawler mit Schleppnetz und mit 7-10 Knoten Fahrt direkt auf uns zu. Der Strahler sollte ne Warnung sein. Spinnt der? Ich versuche auszumachen wie sein Grenzkurs ist, um mich vom Acker zu machen, steure die BEFANA um 180 Grad auf Gegenkurs. . Aber steuert anscheinen auf mich zu. Jetzt erkennt Sven das Backbordlicht von dem und wir drehen wieder über unsere Backbordseite ab. Da rauscht er auch schon mit voller Fahrt hinter uns durch. Keine 50 Meter entfernt. So ein Riesen Arschloch. Der hätte uns glatt versenkt.

Wir schauen jetzt noch genauer hin in der Dunkelheit. Aber wenn einer seine Lichter nicht an hat, kann man ihn eben auch nicht sehen. Wir entdecken noch 2 davon. Ein gutes Beispiel von einem verantwortungsvollen Fischer haben wir aber auch. Einer von denen – etwas später – funkt auf Kanal 16:
Sailingvessel under Engine, in Position 43°..minutes north, and 004°..mintues west, Speed 6,5 knots, beering… 243°… please keep more distance of our boat….we are on work, please call on channel 16… one, six… over..

Ich melde mich mit BEFANA und frage nach dem Abstand.
Da meint er 500 yards seien okay.
Super, machen wir. Und auf dem Radar kann ich gut den Abstand einschätzen. Klasse Kerl. Geht doch auch so. Er bedankt sich.

Gegen 02.30 passieren wir die Tonne West und setzen Segel. Läuft ab jetzt. Wir sind im freien Seeraum, keine bis wenige Fischer mehr hier draußen. Und gegen 10 Uhr morgens sollten wir das Festlandschelf passiert haben. Alles super so weit. Es hört auch zwischendurch mal wieder auf zu regnen. Aber von Sonne und Wärme keine Spur. Allen ist trotz guter Kleidung schon ziemlich kalt. Und jeder ist froh, wenn er mal für eine oder 2 Stunden unter die Sprayhood oder nach unten kann.

Wir laufen mit Wind von achtern nur unter Vorsegel bis zu 7 Knoten. Die Strömung setzt noch einen Knoten drauf und so kommen wir zügig voran.

Crew: Sven macht seinen Job sehr gut. Simone steuert auch mal. Aber sie hat bisschen Probleme mit dem nach unten gehen. Toilettengang und prompt wird sie seekrank. Wie aus heiterem Himmel. Nicht so schlimm, wie manche anderen, aber ein paar Mal muss sie doch über die Reling. Sven und mir geht´s hingegen gut. Wir haben alle Rettungswesten an und sind mit den Lifelines am Boot gesichert.

Die ersten Nachtwachen laufen nicht so regelmäßig. Keiner von uns kann während der Freiwache richtig schlafen. Und so teilen wir uns das etwas anders ein. Klappt aber auch. Jedoch fallen die Mahlzeiten bei allen etwas spärlich aus. Keiner will richtig was essen und jeder macht sich halt was, wenn er gerade Hunger hat. Soll halt so sein.

Der Dienstag läuft gut. Die Nacht auf Mittwoch auch im Wesentlichen. Die Übergaben zu den Wachwechseln werden professioneller. Und wir freuen uns auf die Dämmerung. Die ganze Nacht sind wir mit Radar gefahren, um so eine Situation wie mit dem Fischer nicht mehr zu haben. Aber das geht halt auch auf die Batterien. Die Radarantenne hat immerhin 2 KW. Also fahren wir immer mal wieder mit dem Motor ein Stück oder lassen Jöns einfach im Leerlauf mitlaufen.

Gegen Mittwochabend brennt allerdings am Schaltpanel am Kartentisch eine rote Warndiode. Ohweih. Die Batterien. Wir machen als die Selbststeueranlage mal aus und auch das Radar schalten wir ab… Beobachten den Ladezustand der Batterien. Bloß nicht in den Keller fahren. Maschine läuft also mal mit und die Ladekapazität steigt etwas. Irgendwann um 23.00 Uhr Warnton, wegen Tiefentladung. Ich schau auf den Voltmeter und erschrecke. Ladezustand unter 10 Volt. Das ist normalerweise das Todesurteil von Batterien. Wir haben 3 mit je 140 Ampere. Das kann teuer werden, wenn die abkacken. Ich lese Im Handbuch. Messe den Strom am Laderegler, an der Trenndiode und an den Batterien selbst. Aber mein Gerät, ein einfacher 12 Volt Phasenprüfer, leuchtet. Scheint doch alles zu funktionieren. Wir zerbrechen uns die Köppe…

Wir schalten alle Verbraucher ab. Sämtliche Navigationsgeräte und die Innenbeleuchtung. Es brennen nur unsere Positionslampen und das Kompasslicht. Trotzdem geht die Batterieladung immer weiter in den Keller.

Die BEFANA hat eine Notschaltung, dass wenn die Batterien entladen sind alle Verbraucher abgeschaltet werden und nur noch die Positionslichter den Reststrom bekommen. Das funktioniert auch. Nix geht mehr aufem Kutter, außer rot/grün und Hecklicht.
Aber gegen 03.00 Uhr morgens gehen auch diese fast aus. Man sieht uns nicht mehr. Außer auf einem Radar. Totaler Blindflug.
Ich hänge die Taschenlampe, die mir Basti mal geschenkt hat über den Kompass, dass wir wenigstens unseren Kurs ablesen können. Funktioniert.

Wir legen die Hupe bereit und eine starke Lampe zum Anstrahlen der anderen. So wie es der Fischer auch gemacht hat. Nur der halt mit Absicht.

Gott sei Dank haben wir noch unsere Powerbänke, um wenigstens unsere Handys am Laufen zu halten. Navionics weist uns zuverlässig den Weg.

Gegen 04.00 Uhr versuche ich über mein Handfunkgerät die Küstenwachen zu erreichen, um die wenigstens über unsere Geisterfahrt zu unterrichten. Ohne wirklich Hoffnung zu haben, dass meine Handfunke so weit gehört wird. Reichweite normalerweise so ca. 1 – 2 Seemeilen mit vernünftiger Transmission, wir sind aber mindestens 20 Meilen vom Land weg. Und tatsächlich… beim 2. Versuch meldet sich Coruna-Traffic. Nette Menschen dort am anderen Ende. Nach Bekanntgabe unserer aktuellen Position, unserer Geschwindigkeit und dass wir mit Maschine fahren erkläre ich ihm, dass wir totalen Stromausfall auf der BEFANA haben. Kein Licht, keine Navi-Instrumente, nix mehr.
Er fragt mich obligatorisch ab. Schiffslänge, Farbe des Rumpfes, wie viele Personen an Bord, ca, ETY (Ankunftszeit für La Coruna). Fragt ob wir Schlepphilfe benötigen oder Begleitung. Nein brauchen wir nicht. Aber eine Securité Meldung für alle anderen Schiffe wäre nicht schlecht. Macht er prompt und nach ner halben Stunde ist keiner mehr wirklich um uns herum. Er wünscht uns alles Gute und bedankt sich sehr für die Information unseres Blindfluges. Wir sind erleichtert. Gut dass ich die kleine ICOM habe.

Gegen 08.30 Uhr machen wir in La Coruna, Real Club Nautico fest. Alle sind geschafft und froh dass der Ritt ein Ende hat. Und der Fluch der Biskaya uns hat am Leben gelassen. Aber es regnet in La Coruna und es ist zu kalt. Nur 15 Grad.

Nachdem wir jetzt alle mal richtig ausgeschlafen haben, war heute ein Techniker da und hat die Ladeeinrichtungen durchgemessen. Der Übeltäter ist gefunden. Die Trenndiode zwischen Lichtmaschine und Batterien hat ne Macke und lädt nicht mehr. Das Bauteil ist relativ neuwertig und hat noch nicht wirklich viel leisten müssen in seinem Leben.

Ich bin ja nicht abergläubisch. Aber die verfluchte Biskaya hat schon was Mystisches. Spuky… sowas.

So heute haben Sven und ich die BEFANA vom Salz der BISKAYA befreit und der Fluch ist von unserem Schiff abgewaschen. Ab jetzt kann´s dann auch mal wärmer werden. Wir fahren ja nach Süden.

Aber auch schöne Seiten hatte die Überfahrt. Jeden Tag und immer wieder Delfine mit uns und direkt am Boot. Die freuen sich über jede Gesellschaft. Springen durch die Luft und tauchen mit unter dem Boot durch, Springen wieder und wieder durch die Bugwelle oder lassen sich hinter uns herziehen. Sehr geiles Schauspiel und sehr schöne Tiere...

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