Liparische Inseln 05.04. bis 12.04.2014 

Unser Skippertraining war schon lange geplant, als wir im Winter noch verschiedene Abendseminare in der Alten Post in Brensbach veranstalteten. Die Besucherzahlen der Vorträge hielt sich jedoch, mangels Werbung vermute ich mal, immer etwas in Grenzen. Doch dann, wie so oft, war das Schiff plötzlich voll. Axel, Bernd und John waren mit von der Partie und wie immer freute ich mich darauf, mal wieder neue Leute auf dem Boot zu haben. Das erweitert doch ungemein den geistigen Horizont und trägt zu meiner Menschenkenntnis bei...


 

Samstag, 05.04. ging´s los. Befana hat uns, Bernd, John und mich zum Flughafen gefahren. Axel wohnt in München und so haben wir uns beim Zwischenstopp in Rom verabredet. Alles okay. Wir machen uns bekannt und Axel ist ein echt netter Typ. Ein zierlicher, älterer Herr mit einem Lächeln im Gesicht. Das wird gut - wir vertragen uns, denke ich. (Man weiß ja nie, wen man sonst so auf´s Boot kriegt). 


 

Abflug Rom Richtung Stiefelspitze nach Lamezia Terme. Wir landen relativ pünktlich gegen 17 Uhr und das bestellte Taxi empfängt uns am Flughafen mit einem Schild: "Mr. Kempf". Ich bin - kann ich nicht anders sagen - begeistert. Na das klappt ja schon mal... 


 

Tropea

Ankunft gegen 17.45 in der Marina Tropea. Ausgestorben? Winterschlaf? Keiner da und alles zu!

Ich lauf am Hafenbecken entlang und fühl mich wohl, wie immer, wenn ich irgendwo im Mittelmeer an nem Hafen bin.

Im früheren Leben war ich wohl doch mal Pirat, wie Befana immer behauptet. :-)


 

Am Ende der Kaimauer finde ich ein offenes Büro. Gott sei Dank, denke ich, is ja doch noch wer da. Und ja, es ist mein Vercharterer.  Offensichtlich will er - verständlich außerhalb der Saison - schnell wieder nach Hause. Und so kommt es, dass die Einweisung ziemlich hektisch verläuft, was ich eigentlich gar nicht will. Meine Crew muss ich leider etwas unbeholfen zurücklassen, allen Grundsätzen meiner diversen Vorträge widersprechend. Aber es kommt eben doch meist anders... Merkst Du was?


 

Am Ende wird alles gut. Giovanni - ich nenn ihn jetzt mal so - gibt mir noch die Telefonnummer von Anna, der Taxi-Fee und verschwindet in der italienischen Abendsonne. Axel, Bernd und John lass ich mit dem Auto abholen und wir räumen unsere Kojen ein. Dann fahren wir mit dem Taxi zum Einkaufen nach Tropea. Interessanter Ort, aber zu Fuß wohl kaum zu erreichen. Jedenfalls nicht mit meinem Knie. Ziemlich steil geht es den Berg hinauf, Kurve um Kurve bahnt sich der Mercedes Vito von Anna seinen Weg durch die engen Straßen. Wir kommen im Ort an: Piazza, Gewusel von Menschen, Gehupe und Palaver - wie man es aus den Filmen der 70er Jahre aus Italien kennt. Dolce Vita. 


 

Einkaufen im Supermarkt. Wir kaufen für ne knappe Woche Lebensmittel und ÜBER-Lebensmittel ein. mit 185 Euro sind wir dabei. Anschließend in die Restaurantempfehlung von Anna und siehe da... ausgezeichnetes calabrisches Essen zu einem vernünftigen Preis. Wein inbegriffen für nicht mal 70 Euro - zusammen versteht sich. 


 

Sonntag, 06.04. nach unserem gemütlichen Frühstück an Bord widmen wir uns ein wenig der Aufgaben, die für mich so anstehen. Ich erkläre meinen Jungs, auf was sie bei der Übergabe einer Yacht besonders achten müssen, denn das Einchecken geht eigentlich immer gleich ab: 15 Minuten an Deck, 15 Minuten unter Deck, 10 Minuten Technik, wenn überhaupt und es werden die Dinge der Checkliste gesucht und abgehakt. Das Erwachen kommt dann meist bei der Rückkehr, wenn die Mitarbeiter nen Kratzer im Gelcoat finden, oder die Relingsstützen verbogen sind und dann kostet es das Geld der Crew. Also lieber vorher mal ums Schiff gelaufen. 

Spaß haben Sie bei der Sicherheitseinweisung


 

Ich mach mit meiner Crew ne ausführliche Sicherheitseinweisung

und erklär ihnen natürlich, was Sie bei einer eigenen Charter selber machen oder organisieren müssen. Klappt ja ganz gut.

Dies und das wird noch erledigt und  um kurz nach zwei laufen wir aus. Erst wie immer kein Wind und dann geht´s ja doch noch mit 6 Knoten übern Teich. Nur mit Vorsegel :-) 

Gegen 18.45 Ur machen wir an der Tankstelle im Fischerhafen von Bagna Calabria längsseits fest. Kein schöner Liegeplatz, aber der Einzige.

SHIT...!!!!! Beim Anlegen drück ich mich wohl zu fest an die Reling, mein Handy in der Beintasche meiner Segelhose verhindert einen blauen Fleck und versagt dafür für immer seinen Dienst. Display gebrochen. 

Ohhhh Mann.... was mach ich denn jetzt? Ich bin weg von dieser Welt. Keine Mails, keine Telefonate, die Nummer von Befana nicht im Kopf und im Telefonbuch steht sie auch nicht. Na das kann ja lustig werden... Das gibt nen Anschiss - denk ich so bei mir. Mein Kopf arbeitet auf Hochtouren... Ich koch erst mal Nudeln mit Frutti di Mare, um meine Jungs und mich bei Laune zu halten. Wir trinken was und der Abend wird ja doch noch ganz gemütlich an Bord. Aber mein Hirn schafft immer noch...


 

Montag, 07.04. Um 8.00 frühstücken, dann müssen wir bald weg da, weil die Fischer wohl gleich zum Tanken kommen. Meine Jungs machen noch nen kurzen Ausflug zum Turm und dann geht´s los. Erst mal 2 Stunden mit Maschine weil wieder kein Wind, doch später bläst es mit 12 - 14 Knoten und wir machen ordentlich Fahrt. Super Segeln, vorbei an der Straße von Messina Richtung Milazzo. Dort fest gegen 18 Uhr in der Marina. 

Marina? Ein Containerklo und eine Dusche für 160 Boote? Die Spinnen die Römer... Kosten für die Nacht 71,-- (!) Euro Inkl. Strom. 

Was soll´s der Worte mehr???

Aber es ist ja noch nicht zu spät zum Sparen :-) Wir gehen super lecker essen am Abend. Inkl. Vorspeisen und 2 Flaschen Wein, Espresso und nen Grappa für jeden - und zahlen 59 Euro.

Ach so geht das... Marina teuer, aber Essen gehen ein Schnäppchen. Na gut, denk ich... wird ein langer Restabend an Bord, sehr spät verschwinden wir in den Kojen. 


 

Marina Milazzo

Dienstag, 08.04. wir gehen im Ort einkaufen und frühstücken dort. Auch gut. 

Dann kriegen die Jungs die Funktion und die diversen Möglichkeiten des Plotters erklärt und wir nehmen uns die Zeit, jeden in der engen Marina an- und ablegen zu lassen. Jeder 2 Mal. Klappt nach bisschen Erklärung ja ganz gut, nur einer meiner Mitsegler hat den Gashebel beim Aufstoppen leider in die falsche Richtung geschoben.... Hat ordentlich gekracht am Steg, Nix kaputt, alles heil geblieben :-) Dank Fenderchen am Heck... hahaha - Glück muss man haben. Schließlich muss ich beim Endgültigen Ablegen nochmal eingreifen, sonst wären wir bei dem Seitenwind von 12 Knoten in irgend einer Muringleine hängen geblieben. Aber auch da hat´s gereicht. 


 

Auf nach Vulcano, jene Insel, die allen Vulkanen dieser Welt den Namen gab. Dort kommen wir gegen Abend an. Wir ankern in der Bucht im Osten und "freuen" uns über den Schwell der Fähren, die hier scheinbar im Minutentakt ein- und auslaufen und natürlich über den Geruch von Schwefel, der über der Insel wabert. Wir kochen Broatworscht italiana mit Kartoffeln Und trinken uns am Abend die Insel schön :-)

Vulcano der Krater

Nein - sie ist wirklich schön, imposant die Rauchschwaden des Vulkans und der Anblick schroffer Kargheit der Landschaft. 


 

Mittwoch, 09.04. Am nächsten Morgen fahren wir mit dem Dinghi an Land und frühstücken ausgiebig im Ort. Meine Jungs wandern zum Krater und bringen echt beeindruckende Bilder mit. Ich bleibe mit meinem Knie lieber im Ort, obwohl ich das eigentlich auch mal sehen wollte. Ich hätt sie aber nur ausgebremst und so beschließe ich irgendwann mit Befana mal alleine dahin zu fahren. Segeln zu zweit hat ja schließlich auch was  :-)


 

Die knapp 7 Seemeilen nach Lipari reiten wir anschließend nur mit Vorsegel und 7-8 Knoten Fahrt schnell ab. 


 

Lipari(!) Einkaufen mit dem Taxi, Zurück mit dem Taxi, zum Essen in den Ort wieder mit dem Taxi. Das Essen im Restaurant (Empfehlung des Taxifahrers) na ja- hätten wir besser ausgesucht. Beim nächsten Mal. Aber sehr schöne Altstadt mit wundervollen mediterranen Geschäften. Der Hafen selbst ohne jede Infrastruktur. Zu früh im Jahr? Wer weiß...


 

Ankern zwischen den Felsen

Donnerstag, 10.04. Wir wollen zum Highlight unserer Reise. Stromboli. Einem der aktivsten Vulkane dieser Welt. Kleiner Zwischenhalt in einer wunderschönen Felsenbucht auf Panarea. Wir kochen und wollen sehen, dass wir zur Dämmerung am Stromboli sind. Aber es wird dann doch etwas später und wir fahren in die Nacht hinein. Herrlicher Sonnenuntergang auf See und Frachter in der Abendsonne (übrigens mit vorbildlichem Ausweichmanöver).

der geht bei uns hinten vorbei...


 

Wir interpretieren die Lichter der Anderen und haben Spaß an den drei bis vier Ausbrüchen des Berges. Bis zu 40 oder 50 Meter hoch erhellt die glühende Lava die Nacht. 

Was hier auf Stromboli nicht so prickelnd ist, sind die Übernachtungsmöglichkeiten. Keine Bucht, kein Hafen, nur ein kleines Ankerfeld im Nordwesten und eines im Nordosten. Die im Revierführer erwähnten Bojen zum Festmachen gibt´s nicht. Nicht mal mehr die Einzige von vor 2 Jahren. Erster Ankerversuch im NW - keine Chance. Wind und Wellen drücken uns zu nah ans Ufer und ich kann dieses in der Nacht nicht richtig ausmachen. Kann keine Entfernungen einschätzen. Auch Stromboliccio beim Anlaufen der NE Möglichkeit erscheint mir mit seinem warnenden Leuchtfeuer doch ziemlich nah zu sein. Aber wir finden einen Platz. Zwar liegen wir mit dem "Hintern" schon fast auf dem Strand (geschätzte 40 Meter von hier) bei 8 Meter Wassertiefe und fast 50 Meter Kette draußen. Mir ist nicht wohl dabei, aber das Eisen hält im schwarzen Sand bombenfest. Keinen Zentimeter gibt es nach. Leider sind von hier aus die Ausbrüche nicht mehr zu sehen. Nur der Fußweg am anderen Morgen der zum Krater führt. Allein der Anblick verursacht ein nervöses Zucken in meinem Knie.

Stromboli ankern


 

Freitag, 11.04. nach einem gelungenen Frühstück laufen wir am Vormittag Richtung Heimathafen unserer Oceanis aus. Knapp 32 Meilen liegen vor uns. Erst haben wir noch Wind genug zum Segeln, aber dann hat er keine Lust mehr zu blasen und wir motoren den Rest nach Tropea. 

Schließlich müssen wir um 17 Uhr da sein. Es wird aber 17.15 Uhr, die Tanke hat seit 16 Uhr zu, aber Giovanni haalles im Griff. Wir liegen längsseits der Tankstelle, machen den Aus-Check und alle können ganz in Ruhe duschen gehen bis der Tankwart schließlich um 19.30 Uhr erscheint. Mit Freundin im Schlepptau und natürlich keine Zeit, weil ja Wochenende ist. Wir tanken 26 Liter Diesel für knapp 50 Euro (sag ich ja - die spinnen die Römer) und legen uns an unseren Steg. 


 

Wir fahren mit Anna zum Essen in die Stadt, und sind froh, dass Anna so ne nette Taxi-Fee ist. Besorgt sie doch Brot, Wein und Zigaretten für den nächsten Morgen, da alle Läden hier schon zu haben. Super Restaurant und zurück auf dem Boot konnt ich mir einfach nicht verkneifen, die Jungs so bisschen heiß auf den SKS-Kurs zu machen. Ich hol den Rechner raus, wir tauschen Bilder und ich mach noch etwas Wetterkurs :-) John hats gemerkt. Marketingstrategie...  ;-)  ;-)  ;-) 


 

Eine Super Woche geht mit 2 - 3 Flaschen Wein zu Ende. Ich hoffe, alle sind glücklich und konnten auf dem Törn etwas mitnehmen, auch wenn wir diesmal auf Wunsch der Crewmember nicht so intensiv geübt haben. 


 

Vielen Dank Euch Dreien (Alex, Bernd und John) Ihr wart ne super Truppe.


 

Euer Käptn Micha


 

 


 


 


 


 


 


 


 

 

 

 

Entwürfe für einen schöneren Garten

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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